Die Wasserversorgung in Kleinrückerswalde. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Wasserversorgung in Kleinrückerswalde.

1934 > 1934-30
Von Paul Bach.

Die Wasserverhältnisse in Kleinrückerswalde waren sonst sehr mangelhaft. Durch den Ort fließt der Dorfbach, der im Sommer oft gänzlich ausgetrocknet ist oder in dem nur ein kleines Wässerchen ohne plätscherndes Geräusch hinab zum Tale fließt. Er hat seine Quelle in der Nähe des Flößgrabens, begleitet die Dorfstraße, jetzt Jöhstädter Straße, bald links, bald rechts, da er mehrmals unter derselben hinwegführt. Im unteren Teile des Ortes verläuft er sich in den Wiesen des Köhler- und Kreher-Gutes und bewässert diese. Dann sammelt sich das Wasser wieder und fließt durch die Gärten Kolbes (jetzt Ludwig) und Wimmers, unter der Schlösselbrücke und den Grundstücken an der Bahnhofstraße, unter der Eisenbahn. Zuletzt fließt er in einem zementierten Flußbette und mündet bei der früheren Hüttenmühle, jetzt Ferngaswerk, in die Sehma. In den Jahren 1927/28 wurde der Kleinrückerswalder Dorfbach in einer Länge von 640 Meter beschleust, indem Zementrohre gelegt und alle 50 bis 60 Meter ein Schrot aufgemauert wurden, durch den das Wasser von außen eintreten kann. Dabei wurde der Bachlauf, der nach der Wilischstraße führte, geradeaus und durch das Köhler'sche Gartengrundstück gelegt.
Kleinrückerswalde 1925
Kleinrückerswalde 1925. Blick nach der Bärensteiner Straße. Im Hintergrund der Bärenstein.
(Photo: Erna Reiche, Annaberg)
Im Orte selbst hatte man früher mehrere Teiche angelegt.
So befand sich ein Teich in der Nähe der Güterladestelle, nach den früheren Besitzern Haase- auch Nestler-Teich genannt, in dem Amphibien (Frösche, Salamander), Wasserkäfer, Wasserspinnen und andere Wassertiere lebten. Dieser Teich wurde im Jahre 1925 vom Annaberger Schwimmverein 07 käuflich erworben und zu einem Freibad umgebaut. Dieses Bad wurde 1930 durch eine große Grünfläche bedeutend erweitert für Luftbade- und Spielbetrieb. Bis zur Erbauung der Wasserleitung befanden sich in der Nähe des Erbgerichts an der Wilischstraße zwei Gemeindeteiche, die als Schutzteiche bei Feuer dienten, oder durch die Wasserleitung und die an mehreren Stellen aufgestellten Hydranten entbehrlich wurden. Dort, wo sie ehedem lagen, sind die Häuser Bergers und Körnig erbaut. Auf der Südostseite des Pöhlbergabhanges sind heute noch fünf Teiche, verschieden in ihrer Größe, Ott-Teiche genannt. Sie liegen in einer Talmulde und das Abflußwasser fließt nach Königswalde zu in die Pöhla. Einige dieser Teiche dienen zur Fischzucht (Karpfen und Forellen). Beim vierten Teich steht das Kleinrückerswalder Wasserwerk und der Bergstollen "Neufreudiger Bergmann", wo 1926 Schürfungen und Bohrungen am Pöhlberge, insbesondere aber die Aufwältigung des genannten Stollens im Hebewerk und der Ausbau desselben ausgeführt wurden. Im Januar und Februar jeden Jahres wird das Eis der Ott-Teiche geschnitten, das in Gastwirtschaften, Konditoreien usw. Verwendung findet.

Am "Prözel" bei Himmlisch Heer sind ebenfalls einige Wasserquellen, deren Wasser von Buchholz aufgefangen worden ist, während das abfließende Wasser in einem Grenzbächlein nach der Sehma geleitet wird. In früheren Zeiten sind auch hier Teichanlagen gewesen, die noch befindlichen Dämme zeugen davon.

Folgendes Verzeichnis zeigt, welche Stollenwasser in der Kleinrückerswalder Flur vom Königlichen Bergamt Freiberg überlassen wurden (1893):
  1. Obersteiger Christian Gottlieb Grund (1.10.1831) überlassen ½ Stollenwasser (Zapfenzug).
  2. Christian August Schiefer (26.6.1844) ¼ Stollenwasser oberhalb der Kirche.
  3. Karl Heinrich Hein (8.10.1856) ¼ Stollenwasser oberhalb der Kirche.
  4. Christian Gotthold Nestler (25.8.1847) ¼ Stollenwasser oberhalb der Kirche.
  5. Karl Traugott Mann (29.7.1846 und 8.1.1851) Stollenwasser Zapfenzug.
  6. Louis Reinhold, Buchholz (18.5.1876) Stollenwasser auf Parzelle Nr. 143.
  7. Politische Gemeinde (6.12.1876) 6/8 unbenanntes Stollenwasser oberhalb der Kirche, dicht an der Fahrstraße, Parzelle Nr. 38.
  8. Karl Friedrich Albert Päßler (8.9.1881) 1/8 dergl.
  9. Woldemar Wimmer (20.4.1878) Abfall hiervon.
  10. Schullehn zu Kleinrückerswalde (25.5.1878) 1/8 dergl.
  11. Christian Traugott Kreher (27.4.1881) 7/8 des Himmlisch Heer und Trainer Stollen.
  12. Amtsstraßenmeister Lamm, Annaberg (27.4.1881) 1/8 Himmlisch Heer und Trainer Stollen.
  13. Karl Traugott Loos (15.10.1885) ½ unbenanntes Stollenwasser.
  14. Hermann Rieß (15.10.1885) ½ unbenanntes Stollenwasser.
  15. E. Oskar Brauer, Buchholz (7.1.1886) unbenanntes Stollenwasser im Felde vom Briccius-Stollen.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 30 v. 22. Juli 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 30, 22. Juli 1934, S. 1

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