Die Wasserversorgung in Kleinrückerswalde. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Wasserversorgung in Kleinrückerswalde.

1934 > 1934-29
Von Paul Bach.

Die Gemeinde Kleinrückerswalde war bis zum Jahre 1893 ohne Wasserleitung. Fast jedes Haus hatte seine eigene Wasserversorgung, die gleich beim Bau desselben vorgesehen wurde. Entweder wurde im Keller ein Wasserbrunnen angelegt oder im Garten ein Brunnen gegraben und mittels Saugpumpe das Wasser gehoben. Wenn solches nicht möglich war, so wurde auf den Feldern mit Erlaubnis des betreffenden Besitzers nach Wasser gegraben, ein Brunnen gebaut und das Wasser durch Holz- oder Eisenrohre nach dem Hause geleitet, das fortwährend in einen im Hofe oder im Hause aufgestellten Holz- und Zementtrog floß. Diese findet man heute noch in den Bauerngütern. Waren mehrere Nutznießer des Wassers, so wurde an geeigneter Stelle ein Teiler errichtet. Auch wurde Wasser aus den Stollen von Kleinrückerswalde entnommen, wie aus einem Verzeichnisse des Königlichen Bergamtes Freiberg vom Jahre 1893 am Schlusse dieses Berichtes ersichtlich ist.
Kleinrückerswalde 1912
Kleinrückerswalde um 1912.
Das Wasser versagte bei trockenen Sommern und führte oft zu großer Kalamität. 

Unter dieser hatte man auch dann im Winter zu leiden, darum muteten verschiedene Guts- und Hausbesitzer von dem Bergamte Stollenwasser. Auch von der politischen Gemeinde wurde 1876 ein unbenanntes Stollenwasser oberhalb der Kirche dicht an der Jöhstädter Straße für das Erbgericht, das im Besitze der Gemeinde war, sowie das Stollengrundwasser des Zapfenzugstollens auf dem Erbgerichtsgrundstücke für allgemeine Zwecke gemutet und von der Königlichen Bergbehörde in Freiberg weiteres Schürfrecht erworben. Auf das Wasser des "Zapfenzug" (2/3 Anteil) sieht es die Gemeinde am 29. September 1908 ab. Im Jahre 1887 wurden Schürfungen auf den Grundstücken der Besitzer L. Frenzel, L. Nestler, L. Löser und Klötzler vorgenommen, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg.

Als im Jahre 1892 infolge Trockenheit des Sommers großer Wassermangel herrschte, wurden die Vorarbeiten zu einer Trinkwasserversorgung durch eine allgemeine Wasserleitung begonnen. Die Regelung dieses Wasserprojekts war nun die Hauptsorge und Hauptbeschäftigung des Gemeinderates. Es wurden 1892 Schürfungen auf den Grundstücken von Julius Löser, Karl Christoph, Friedrich Nestler u. a. unter der Leitung Löfflers-Freiberg vorgenommen und es wurde Wasser gefunden. Im Jahre 1893 wurden aufgeschlossen der Schieferstollen (neuere Bezeichnung) durch Geometer Kircheis, ferner der Stollen "Neufreudig Glück" (Grundstücke von Julius Löser und K. Schubert).

Auch am jenseitigen Abhange des Pöhlberg-Höhenrückens nach Klnigswalde zu wurden auf Kleinrückerswalder Flurgebiet einige Quellen entdeckt, die nun gefaßt und dem Wasserbedarf der Gemeinde nutzbar gemacht werden sollten. Das Wasser mußte mittels Hochdruck-Lokomobile über die Bergeshöhe nach dem Orte gepumpt werden. Der kleine Teich, an dem das Wasserwerk errichtet wurde, liegt 586,47 Meter über der Ostsee.

Eine anleihe von 45000 Mark wurde aufgenommen, die durch Amortisation in 34 Jahren gedeckt werden sollte. Der Bau wurde während der Amtsperiode des Amtshauptmanns von Burgsdorff ausgeführt. Eine Einwohnerversammlung nahm damals zu diesem Projekte Stellung. Man war der Meinung, daß mit der Ausführung des Planes in mehr als ausreichender Weise gesorgt sei und daß sogar die Möglichkeit vorhanden sei, einen ziemlich bedeutenden Ueberschuß an Wasser eventuell an Buchholz abzugeben. Die Leitung der Rohre wurde von Schlossermeister Hempel-Buchholz gelegt.

Der Gemeinderat war 1900 für die Zuführung geeigneten weiteren Trinkwassers besorgt.

Im Jahre 1902 beschäftigte er sich abermals mit der Wasserversorgung der Gemeinde und beschloß einen Vergrößerungsbau des Wassersammelbassins. Ein zweites Wasserbassin wurde schon 1900 mit einem Kostenaufwand von 5000 Mark angelegt, das Wasser auf dem Döhnel-Felde wurde gefaßt.

Die Wasserleitung wurde 1897 durch einen Wasserstrang nach den an der Kleinrückerswalder Straße gelegenen Götz'schen Häusern und 1907 durch einen Wasserstrang am Marktsteig, jetzt Schießhausstraße, nach dem von Bauunternehmer Martin neu angelegten Häuserviertel am Galgenberge unter einem Kostenaufwand von 3000 Mark erweitert. Das Kesselhaus wurde 1909 umgebaut (1690 Mark), ein neuer Kornwallkessel angeschafft und an die Stelle der Eisenrohresse eine hohe Ziegelesse gebaut.

Im Jahre 1912 wurde das Schulhaus und 1925 der Friedhof der Wasserleitung angeschlossen.

Vorher erhielten diese ihr Wasser aus dem unbenannten Stollen an der Jöhstädter Straße. Da die Bärensteiner Straße, Zinnacker und Dreibrüderstraße immer mehr bebaut wurden, so machte sich 1930 die Verlängerung der Wasserleitung an der Bärensteiner Straße, von der Wüdterfabrik bis zum Zinnackerweg, zur Sicherstellung der Wasserversorgung und des Feuerschutzes dieser Gebäude erforderlich.

Diese Wasserversorgung erfolgt nun von zwei Seiten. Im Herbst 1926 bis Weihnachten erfolgte die Auswechselung der Hauptleitungsrohre an der Kleinrückerswalder und Annenstraße bis zum Erbgericht. 1930 desgl. am unteren Teile der Erbgerichtsstraße und "Steilen Weg".

Ueber die Wasserleitung heißt es in einem Berichte von 1912:

"Das Ortsnetz der am 1. Januar 1912 einverleibten Gemeinde Kleinrückerswalde war in  zwei Zonen geteilt. Die obere Zone mit einem kleinen Hochbehälter oberhalb des Schützenheims erhielt ihr Wasser aus Quellen am Pöhlbergabhange und versorgte den oberen Teil des Ortes bis etwa zur Annenstraße. Die untere Zone für das Dorf mit Behälter an der Jöhstädter Straße erhielt ihr Wasser aus einem Quellschacht, der dicht oberhalb des Flößgrabens an der Dorfstraße liegt und noch an drei Bauerngüter Röhrwasser abgibt.

Da diese Quellen bei Trockenheit nur wenig Wasser geben, so ist schon vor längerer Zeit in dem hinter dem Pöhlberg nach Königswalde zu abfallenden Talgrunde ein Hebewerk mit Dampfkraft errichtet worden, das Quell- und Stollenwasser nach dem oberen Behälter hebt, von wo aus es bei Bedarf nach dem unteren Behälter abgegeben wird. Allein im Jahre 1911 reichte auch dieses Wasser nicht mehr aus, weshalb man Wasser von den Hochbehältern Annabergs nach Kleinrückerswalde abgab, das von jenem unteren Behälter versorgte Rohrnetz an das städtische Hauptrohrnetz anschloß und das Wasser, das seither diesen Behälter speiste, der Leitung im Flößgraben zuführte. Der obere Behälter wurde abgedichtet, eingezäunt und mit Meßschacht versehen.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 29 v. 15. Juli 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 29, 15. Juli 1934, S. 1

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