Das Wegewesen in früherer Zeit. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Das Wegewesen in früherer Zeit.

1934 > 1934-26

Von Dr. Adalbert Zehrer.

(Fortsetzung und Schluß.)


Ende des 17., vor allem aber im 18. Jahrhundert setzte sich der Typ des großen Frachtwagens, der nicht nur breitere Spur, sondern auch breitere Felgen hatte, mehr und mehr durch. Da auch die schmale Spur noch bestand, war das Fortkommen auf den meist ausgefahrenen Wegen sehr beschwerlich. Schließlich wurde bestimmt, daß Wagen mit mindestens 14 Zentimeter Felgenbreite nur die Hälfte des Straßenzolles zu zahlen brauchten. Damit sollte erreicht werden, daß sich die großen Frachtwagen allmählich durchsetzten.

Die Klagen der Fuhrleute und Zuleger (diese leisteten an steilen Stellen Vorspann) über die "bösen Wege" wurden jahrhundertelang laut, besonders in bergigen Gegenden. Immer wieder sagten Fuhrleute aus, daß große Steine und häufig starker Schneefall die "Passage" sperrten. Diejenigen aber, die schon Wagen mit breiter Spur hatten, klagten nur zu oft über die "engen Gleise", auf denen sie mit hohen und breiten Wagen kaum vorwärts kämen.

Man wird sich fragen, ob denn im Laufe der Jahrhunderte nichts zur Besserung der Straßen geschehen ist. Freilich haben sich die Landesherren dann und wann um das Wegewesen gekümmert, schon um den Verkehr auf ihren Straßen im Interesse der Einnahmen zu heben, ihre Verordnungen waren aber nur selten von nachhaltigem Erfolg. Nach einer Vorschrift von 1449 sollten die Wege durch Bäume, Sträucher, Gräben, Steine oder andere Zeichen beraint werden, damit das Abweichen davon entfiel. Tatsächlich wurde damals die Willkür der Fuhrleute eingedämmt, da die Wege nun kenntlicher waren und auf ein Abweichen Klagen der Grundherren und Strafen folgen konnten. Anderseits wurde aber auch weitgehend verhütet, daß die Anlieger den Raum der Straße durch Abpflügen verringerten, wie es bisher häufig der Fall gewesen war (daher die Klagen über die schmalen Wege). Später war dann befohlen worden, daß die Anlieger die Gräben ausheben und in einer bestimmten Tiefe instandhalten sollten. Die fronpflichtigen Bauern der Grundherrschaften waren zwar dazu angehalten, gelegentlich Ausbesserungen an den Wegen vorzunehmen, das half aber nie lange, zumal diese Arbeiten auch zumeist unsachgemäß ausgeführt wurden.

Die Herstellung von Steinschlag war damals zu teuer, meist schüttete man Sand und Geröll, aber auch Stroh auf die ausgefahrenen oder vom Regen ausgewaschenen Wege. Seit Ausgang des Mittelalters wurden ganz vereinzelt auch schon Dammschüttungen vorgenommen, an sumpfigen Stellen dagegen wurden Knüppelreihen eingelegt, daher heute noch mancherorts die Bezeichnungen: Knüppelweg, Brückenweg, Brückenberg. Sumpf war besonders gefürchtet, da hier die Wagen häufig einsanken und es nicht leicht war, sie dann wieder herauszubringen. Dies dauerte bisweilen tagelang, ja an manchen dieser gefährlichen Stellen warteten geradezu Knechte darauf, eingesunkene Wagen gegen Lohn wieder flott machen zu können. Schlimm war es auch bei Ueberschwemmungen. Bei Furten - ursprünglich hat es überhaupt nur solche gegeben - machte sich in derartigen Fällen fast stets ein längeres Stilliegen und Abwarten günstiger Verhältnisse nötig (ein Einfluß übrigens auf die Städteentwicklung!). Wenn es schon Brücken gab, dann waren sie meistens aus Holz und wurden von Hochwasser nicht selten zerstört oder beschädigt. Steinbrücken waren ehemals wenig anzutreffen.

Im 18. Jahrhundert wurden dann mehr Verordnungen über den Bau und die Unterhaltung der Landstraßen erlassen. Zu Beginn desselben wurde angeordnet, daß die Straßen von Gebüsch, Weiden und Pappeln zu beräumen seien, damit sie besser austrocknen sollten. Wenige Jahrzehnte später kam man im Gegenteil zu der Ansicht, daß Straßenbäume eine Zierde und zugleich "ein Vergnügen für die Reisenden" seien, nur sollte man fruchttragende Bäume anpflanzen.

Der Ausbau der alten Straßen zu Chausseen begann in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Häufig waren es Notstandsarbeiten, nämlich "zur Beschäftigung der Arbeitslosen und zur Hebung der Moralität", wie es an einer Stelle von 1817 hieß. Allmählich wurden auch bisher weniger wichtige Wege, die aber inzwischen an Bedeutung gewonnen hatten, chausseemäßig ausgebaut. Dabei sind die Straßen auch vielfach verlegt worden.

Die neuzeitlichen Kunststraßen folgen meist den Tälern und suchen überhaupt eine Ausgeglichenheit des Geländes zu erzielen, wobei es selbst auf Umwege nicht ankommt. Nur die wenigsten alten Wege fallen heute - wenn auch nur streckenweise - mit den Chausseen zusammen, manche führen als ruhige Verbindungswege oder als vom Verkehr verlassene grasüberwucherte Feldwege ihr Dasein, andere sind durch Zusammenlegen von Feldfluren in den Ackerfurchen gänzlich untergegangen.

Jahrhundertelang waren die Straßenverhältnisse trostlos. Erst in unserem Jahrhundert sind in verhältnismäßig kurzer Zeit technisch und hygienisch befriedigende Kunststraßen geschaffen worden - und dies wird in Zukunft in noch viel stärkerem Maße der Fall sein, auch in Bezug auf Sicherheit und Verkehrsbeschleunigung (Autobahnen!). Der neuzeitliche Verkehr der Landstraße erfordert dies auch!

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 26 v. 24. Juni 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 26, 24. Juni 1934, S. 2

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