Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wer kennt seine Heimat genau?

1927 > Nr. 14/1927
Suchbild Nr. 77
Wer war das? Nr. 77.
Wer war das?
Erläuterungen zu dem Bild in letzter Nummer.

Unser Bild Nr. 76 führt uns den früheren Bürgermeister Christian Friedrich Glumann, der am 6. Juli 1788 in Annaberg als Sohn des Spitzenhändlers und Besitzers des Gasthofs zur "Goldenen Gans" geboren wurde, vor Augen. Er widmete sich dem Handelsstand, wurde 1823 Ratsmitglied, war dann von 1828 bis 1831 Stadtrichter und verwaltete hierauf 1831/32 interimistisch das Bürgermeisteramt, da für den Landtag sowohl Bürgermeister Reiche-Eisenstuck als der Stadtrichter Amtsinspektor Bach einberufen worden waren. Schon vorher — Februar 1824 bis Trinitatis 1825 — hatte er den von seinem Hospitalvorsteheramte zurückgetretenen Schuhmacher, Ratskellerpächter und Viertelsmeister Karl Gottlob Vogel im Amte vertreten. Im Jahre 1835 wurde er zum Bürgermeister gewählt; unter ihm wurde das städtische Volksschulwesen im Sinne des 1835 erschienenen Schulgesetzes eingerichtet und das erste Bürgerschulgebäude am Oberen Kirchplatze erbaut. Die Zeiten waren damals recht trübe. Das Annaberger Fabrikationsgeschäft lag jahrelang sehr darnieder, und obendrein hatte am 29. März 1837 (vergl. T. A. W. vom 28.3.1927) ein verheerender Brand fast die ganze obere Stadt heimgesucht. Das verursachte auch der Stadtverwaltung schwere Sorge, und Glumann hat seines Amtes sich selten recht erfreuen können. Er legte 1843 sein Amt freiwillig nieder und bewirtschaftete seit 1855 das von ihm angekaufte Gut Scheibe bei Wolkenstein, woselbst er auch am 15. März 1868 gestorben ist. Ihm zu Ehren wurde 1889 die Glumannstraße benannt, die im Jahre 1878 angelegt worden war und zunächst "Neuer Anbau" oder "Neustadt" hieß; ihre Durchführung bis zur Felix-Weiße-Straße erfolgte im Jahre 1905. — Dankenswert muß Glumann's gedacht werden für seine Bemühungen um Einführung des maschinellen Betriebes in der Posamentenindustrie. Als in der schweren Zeit des Darniederliegens des Bandgeschäfts (1837) sich besonders der schon halbvergessene Anton Parzer bemühte, seine Arbeiter nicht verderben zu lassen und auf Vorrat arbeiten ließ, waren seine Mittel bald erschöpft; er geriet in Verlegenheiten. Kaum war es so weit gekommen, da kündigte ihm der, auf dem er bisher immer sorglos vertraut hatte, den Kredit: sein Freund August Röhling, im Volke der "kleine Rothschild" genannt, der für dargeliehene Kapitalien das Parzer'sche Grundstück (später das "alte Seminar") an sich zu bringen suchte. Bürgermeister Glumann, der diese Absicht durchschaute, versuchte mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem entgegen zu arbeiten. Aber an dem Widerstande der einsichtslosen und maschinenfeindlichen Posamentierer jener Zeit scheiterten seine gut gemeinten Bestrebungen: der Parzer'sche Fabrikbetrieb wurde eingestellt, kam unter den Hammer, ging in den Besitz von August Röhling über, der es 1843 für Zwecke einer Seidenwirkerei wesentlich vergrößerte, die aber nach und nach zurückging, so daß er 1852 den Betrieb einstellte. Anton Parzer betrieb in kleinerem Umfange seine Fabrikation von Gummibändern (Zugbändern) in dem ehemals Thorbeck'schen Hause (Ecke Wolkensteiner Straße und Große Kartengasse), an dessen Stelle 1900/1901 von Bruno Matthes das "Barbara-Uttmann-Haus" errichtet wurde, weiter. Er verzog dann 1856 nach Dahlen und starb im Jahre 1867 bei seinem Sohne in Chemnitz.
—cj—

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 14 v. 10. April 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 14, 10. April 1927, S. 5

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