Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wer kennt seine Heimat genau?

Wo war das?
Erläuterung zu dem Bild der letzten Nummer.


Das Bild Nr. 48 zeigt die vormaligen zwei Köselitz'schen Grundstücke (nach einem alten Aquarell), an dem nach ihrem früheren Besitzer benannten Köselitzplatz (vergl. A. W. Nr. 21 v. 27.1.1898). Der am 18. Oktober 1822 in Annaberg geborene Seidenfärber Gustav Hermann Köselitz (Sohn des in dem Artikel "Alte T. A. W.-Heimstätten" erwähnten Redakteurs Julius Karl Köselitz) wurde 1871 Ratsmitglied, nachdem er vorher Stadtverordneter gewesen war. Von 1890 bis 1897 bekleidete er den Posten eines besoldeten Stadtrats und stellvertretenden Bürgermeisters, wurde nach seinem Scheiden aus dem Amte Ehrenbürger seiner Vaterstadt und starb am 2. Oktober 1910. Von seinen Söhnen sind weithin bekannt geworden der verstorbene Heinrich Köselitz ("Peter Gast"), dessen Gedenken die Nr. 39 vom I. E. S. gewidmet war, sowie der jetzt in München lebende feinsinnige Kunstmaler Rudolf Köselitz, bekannt als Illustrator der Schaumburgerschen Werke, Maler der "Hammer"-Bilder im hiesigen Altertumsmuseum und als künstlerischer Mitarbeiter des Pöhlberg-Verlages und auch des I. E. S.


Die Häuser Köselitzplatz 1 und 2 stammen aus dem 17. Jahrhundert. Später waren sie Eigentum des Bürgermeisters Johann Jakob Scheuereck, der 1650 zu Freiberg geboren war. Als Advokat und Notar kam er nach Annaberg. Er wurde 1688 Ratsherr, 1693 Stadtrichter und 1699 Bürgermeister. Er starb am 12.8.1724 als Herr auf Blankenhain. Von seinen Kindern ging später das Grundstück Köselitzplatz 1 an die Familie Schreiber (s. I. E. S. Nr. 25 v. 20.6.1926, Kleine Kirchgasse 2) und dann an den mit derselben verwandten Hermann Köselitz über. Das Nebenhaus Nr. 2 besaß bis zum Jahre 1855 der Spediteur Gehlert (Vorgänger der Firma August Schneider), von dem es H. Köselitz zuerwarb. — Links an Stelle der jetzigen Schutzteichanlagen (auf dem Bilde sichtbar), befanden sich ehedem Scheunen, die durch eine Feuersbrunst am 5. September 1868 zerstört wurden. — Seit mehreren Jahrzehnten fand der Topfmarkt, der vordem auf dem Karlsplatz (früher deshalb "Töpfermarkt" genannt) abgehalten wurde, auf dem Köselitzplatz statt. Jetzt soll der Köselitzplatz Schmuckanlagen als Gegenstück zu den Schutzteichanlagen erhalten. Die Anfuhr von Erdreich geschieht bereits. Jedenfalls wird diese Umwandlung den Weg nach dem Pöhlberg für alle Einheimischen und unsere Touristenstadt besuchenden Fremden wesentlich und vorteilhaft verschönern.

Wo war das?  Bild Nr. 49


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 45 v. 7. November 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 45, 7. November 1926, S. 5

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