Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wer kennt seine Heimat genau?

1927 > Nr. 10/1927
Wo war das?
Erläuterungen zu den Bildern in letzter Nummer.

Dort, wo jetzt an der Feldgasse seit dem Jahre 1910 der neueste Teil des Stadtkrankenhauses (vergl. I. E. S. Nummer 17 vom 25. April 1926 und Nummer 46/47 vom 14. und 21. November 1926), die Isolierbaracke, sich erhebt, befand sich das auf unserem Bilde Nummer 67 hinter zwei Baumstämmen sichtbar werdende Beyer-Häuschen. Wann dasselbe von einem gewissen Heinrich Maurer zuerst erbaut worden ist, läßt sich nicht feststellen; jedenfalls ist es mit einer Reihe anderer, schon längst vom Erdboden verschwundener Häuschen bereits im Stadtplane des Ortschronisten P. Jenisius vom Jahre 1592 eingezeichnet. Lange mag es als Brandstelle gelegen haben, denn noch um 1740 wird es als solche des Matthes Köhler bezeichnet. Dann taucht in der Zeit von 1774 bis 1812 Johann Gottlob Lindner als Besitzer auf, von dessen Familie es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf den Kutscher Christian Fr. Lauckner überging. Sein letzter Eigentümer war der Scharwerksmaurer Gotthilf Beyer, bis es — wie erwähnt — 1910 vom Rate der Stadt für Erweiterungsbauten des Stadtkrankenhauses aufgekauft wurde. Es lag unter Nummer 11 (Br.-Kat.-Nr. 518/A) an der Feldgasse.
—m—
(Annaberg.) Wo war das? Bild Nr. 69.
Bild Nr. 68 zeigt die frühere alte Schmiedel-Schmiede in Buchholz gegenüber der Stifel-Mühle an der Ecke der Katharinen- und Mühlstraße, das spätere Ott'sche Haus, das man allgemein die "Ott-Villa" nannte. Ott betrieb darin einen Kohlen- und Gemüsewaren-Handel sowie später einen Roßfleischverkauf. Das Haus wurde in den 90er Jahren abgebrochen. Es befindet sich heute dort der Fabrikhof bezw. die Autoeinfahrt der Fa. G. Adler-Buchholz.
(Ehrenfriedersdorf.) Wo war das? Bild Nr. 70.
Die alte Ziegelscheune
(Zu dem Bilde auf Seite 1 dieser Nummer.)

Dort, wo jetzt das Waldwärterhäuschen (Stadtpark Nr. 1) im Stadtpark steht, befand sich bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts die städtische Ziegelei oder, wie sie allgemein genannt wurde, die Ziegelscheune. Über diese berichtet uns der Ortschronist A. D. Richter (1746/48): "Anno 1508 hatte der Rat eine Ziegelscheune in Geyersdorf und eine am Bielberge. Die Ziegelhüttel sind jetzt noch auf der Viehtrift vor dem Böhmischen Tore am Bielberge und sind alsobald bei dem Anfange der Stadt erbaut worden." Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Ziegelei wiederholt von Brandschäden betroffen. In einem alten Stadtvermögens-Verzeichnis aus der Zeit um 1830 heißt es: "Die Ziegelscheune vor dem böhmischen Tore besteht aus dem Brennofen mit einem Ziegeldach, einem Ziegel-Vorratsschuppen und einem Ziegeltrockenhaus, beide hölzern, sowie den Lehm- und Sandgruben." Nach dem auf dem Bilde ersichtlichen Stande der Aufforstung des Pöhlberges mit Stadtparks, die 1844 begann, aber dann bis 1854 (Notjahr!) liegen blieb und dann von 1861 an endgültig durchgeführt wurde, ist anzunehmen, daß dasselbe aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammt. — Unterhalb der alten Ziegelscheune befand sich ehedem (an Stelle der jetzigen Parkwärterwohnung) die Weiß'sche Kavillerei und im Vordergrunde erblicken wir das nicht mehr vorhandene Pulverhäuschen am unteren Eingange des Stadtparks von der Parkstraße aus.
—m—

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 10 v. 13. März 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 10, 13. März 1927, S. 5

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