Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt
Menü

Wer kennt seine Heimat genau?

1927 > Nr. 12/1927
Wo war das?
Erläuterungen zu den Bildern in letzter Nummer.

Das Bild Nr. 71 zeigt uns das an der Münzgasse in Annaberg unter Nr. 15 gelegen gewesene, vor ca. 25 Jahren vom Staatsfiskus angekaufte "Gerischer-Haus", welches 1913 dem Vergrößerungsbau des Realgymnasiums für das mathematisch-pädagogische Seminar Platz machen mußte. Zuerst in den 1850er Jahren erbaut, gehörte es dem unlängst verstorbenen Kaufmann Alexander Gerischer, der bis 1898 darin unter der Firma C. A. Gerischer eine Ordens- und Trachtenbänderfabrikation betrieb. Gleichzeitig befand sich darin ein Privat-Kindergarten, an den sich für manchen Leser und manche Leserin der I. E. S. schöne Kindheitserinnerungen knüpfen werden. — Rechts davon erblicken wir auf dem Bilde einen Teil des Realschulgebäudes, "erbaut im ersten Jahre des neuen Deutschen Reiches" und am 8. April 1872 eingeweiht. Das kleine Häuschen links abwärts vom Gerischer-Haus (jetzt ebenfalls zum Realgymnasial-Grundstück gehörig) war, unter Nr. 2 der Schulgasse gelegen, ehedem Eigentum des im Jahre 1898 verstorbenen Stadtrats und Mineralwasserfabrikanten Gustav Adolf Römer, von dem es zu Anfang der 1870er Jahre an den Apotheker und Mineralwasserfabrikanten E. Vausch überging und zuletzt dem im Weltkriege gefallenen Max Blechschmidt gehörte. Das größere am linken Bildrande sichtbare Haus, Schulgasse 1, war früher Eigentum des Tischlermeisters C. Fr. Rebentisch (jetzt Wwe. Harnisch).
—m—
Suchbild Nr. 74
Wo war das? Bild Nr. 74.
Bild Nr. 72 zeigt uns das alte ehemalige Ebeling'sche Restaurant in Buchholz, Silberstraße Nr. 4, jetzt Fabrik- und Lagergebäude der Firma A. Kunze & Co. Die Gastwirtschaft war eine der ältesten von Buchholz. Das Haus ist mehrere Hundert Jahre alt. Von den letzten Wirten des Restaurants seien u. a. nachstehende genannt: Heinrich Ebeling jr., jetzt "Gambrinus"-Wirt in Annaberg (Wolkensteiner Straße), übernahm 1903 das Lokal von seinem Vater, nachdem er von 1898 bis 1901 den "Felsenkeller" und von 1901—1903 das Restaurant "Zur Buche" bewirtschaftet hatte. Am 9. August 1907 übernahm alsdann "Ebelings Restaurant" Alban Seidel aus Lauter, von dem es im Februar 1908 Rudolf Städtler übernahm. Im Weltkrieg (1915) erwarb nach Erlöschen der Schankgerechtigkeit das Gebäude die Firma A. Kunze & Co. und seitdem dient es, wie erwähnt, nur noch Fabrikationszwecken.
Suchbild Nr. 75
(Ehrenfriedersdorf) Wo war das? Bild Nr. 75.
Zwei Schadenfeuer in Ehrenfriedersdorf brachte Bild Nr. 73 in Erinnerung, die Brände in der Schützenstraße bei Bäckermeister Otto Trummer und Reuther. Vor diesen Bränden hatte die Schützenstraße ihre besonderen Schönheiten. Die meisten Häuser wiesen reizende Vorgärten auf, in denen ihre Besitzer grellfarbige Blumen und seltene Baumarten pflegten. Jeder Maler hätte an diesen ländlichen Bildern seine Freude haben können. Am 19. Juli 1899 brannte vormittags 11 Uhr das Carl Leibiger gehörige und von der Familie Reuther mitbewohnte Haus ab (das kleinere Gebäude auf dem Bilde). In den Mittagsstunden griff das Feuer auf das Otto Trummersche Haus über, so daß auch dieses etwa um 2 Uhr ein Raub der Flammen wurde. Heute stehen stattliche Gebäude an dieser Stelle, und die schmucken Vorgärten haben bei der Erweiterung der Straße dem granitenen Fußsteig weichen müssen.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 12 v. 27. März 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 12, 27. März 1927, S. 5

Zurück zum Seiteninhalt