Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wer kennt seine Heimat genau?

1927 > Nr. 15/1927
Wer war das?
Erläuterungen zu dem Bilde in letzter Nummer.

Das Bild Nr. 77 im letzten Stück des I. E. S. zeigt uns den Vorgänger des Bürgermeisters Glumann, den Bürgermeister und späteren Geheimrat Carl Friedrich Reiche-Eisenstuck, der am 18. Februar 1790 als ältester Sohn des 1813 hier verstorbenen Postmeisters Reiche geboren wurde. Als Neffe des am 20. Dezember 1757 geborenen Bürgermeisters Johann Christian Eisenstuck (der Besitzer des Rittergutes Schönfeld war und am 21. April 1831 verstarb) wurde er von diesem als sein Nachfolger im Bürgermeisteramte im Jahre 1829 adoptiert, führt von da ab den Namen Reiche-Eisenstuck und ist der Stammvater dieser verzweigten Familie geworden. Er hatte sich als Advokat zunächst in Zwönitz niedergelassen, übernahm aber bei seines Vaters Tode das Amt eines Annaberger Postmeisters, das schon lange (und nach ihm bis 1876) in der Familie fortgeerbt hatte. 1823 ward er Ratsmitglied, zwei Jahre darauf Stadtrichter und 1828 Bürgermeister. Dieses Amt bekleidete er auch nach der am 4. September 1832 zur Geltung gekommenen neuen sächsischen Städteordnung bis Ende April 1836. Da er zugleich Posthalter war, bekleidete er zeitweilig drei Ämter; außerdem gehörte er seit 1830 der zweiten Ständekammer an, deren erster Präsident er längere Zeit war. 1836 wurde er Amtshauptmann zu Freiberg und später Geheimer Regierungsrat in Dresden, wo er am 2. Februar 1864 verstarb. Auch nach seinem Weggange aus seiner Vaterstadt hat er immer mit hingebendem Eifer zu deren Gunsten zu wirken sich bemüht, wo eine Gelegenheit dazu sich bot. Das war insbesondere bei den Kammerverhandlungen um den Bau der Chemnitz-Annaberger Eisenbahn im Sommer 1861 sehr förderlich gewesen. Aus dankbarer Verehrung wurde ihm daher am 17. September 1861 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Annaberg verliehen. — Sein Wahlspruch war: "Suum cuiquel". In den Jahren 1855—1860 ist er der hauptsächlichste Mitarbeiter an den "Rückblicken auf Annabergs und seiner Umgebungen Vorzeit" gewesen. Die Grabsteininschrift auf dem hiesigen Friedhofe lautet: "Carl Friedrich Reiche-Eisenstuck, Ritter des K. S. C. V. O., Comthur des K. K. F. J. O., auf Schönfeld, seit dem Jahre 1812 Advokat und Gerichtsdirektor zu Zwönitz und Gelenau, Post- und Bürgermeister zu Annaberg, Amtshauptmann in Freiberg, Geheim. Regr. Rath in Dresden, Kreisvorsitzender und Friedensrichter, Landtagsabgeordneter von 1830 bis zu seinem Ende. Geb. den 20. Februar 1790 und gest. den 2. Febr. 1864. Ein treuer Bürgerfreund."
—cj—
Suchbild Nr. 78
Wo war das? Bild Nr. 78.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 15 v. 17. April 1927


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 15, 17. April 1927, S. 5

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