Wer kennt seine Heimat genau? - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wer kennt seine Heimat genau?

1927 > Nr. 17/1927
Wo war das?
Erläuterungen zu dem Bild in letzter Nummer.

Unser Bild Nr. 79 stellt die alte Gasanstalt von Buchholz, von der Münzgasse aus gesehen, dar. Welcher ältere Buchholzer könnte sich nicht mehr auf die im Bild heute zwar bescheiden wirkende, flach gebaute Gasanstalt besinnen, die für damalige Verhältnisse aber vollauf genügte. Die kleine Anstalt wußte noch nichts von Autobetrieb und verkehrsreicher Talstraße; der herrlichgrüne Wiesengrund (die "Sühnelwiese") von Alt-Buchholz, dessen friedliche Stille nur durch das muntere Murmeln der damals noch silberklaren, ungetrübten Sehma, frohes Kinderlachen und weidende Lämmer (auf dem Bilde gut zu erkennen) in seinem idyllischen Charakter noch gehoben wurde, das war die Stätte, wo sich die Gasanstalt erhob. — Die Anstalt gehörte im Anfang der "Neuen Gas-Aktien-Gesellschaft" Berlin, die seit 1868 Buchholz mit Gas versorgte. Unter Bürgermeister Schmiedel kaufte Buchholz die Anstalt, welche dann am 1. August 1902 in städtischen Besitz überging. Der Erwerbspreis und die Kosten der Erweiterung der Anstalt und des Gasrohrnetzes beliefen sich auf fast ½ Million Mark. Im Jahre 1904 wurde dr untere Teil von Cunersdorf an das Gaswerk angeschlossen. Der damalige Leiter der Gasanstalt, Direktor Julius Sachse († 30.8.1920), wohnte in dem hinteren Gebäude der Anstalt. Das Doppelhaus oben links wurde 1891 von dem Baumeiswter Oskar Pfau (Erbauer der Annaberg-Buchholzer Posamentenfachschule) errichtet und befindet sich heute im Besitze der Fabrikanten Herold und Geißler. Heute steht rechts daneben die große Fabrik Friedrich Herolds. Das Gartenhäuschen unterhalb des Doppelhauses war Eigentum des verdienten Stadtrates Sühnel, dem auch die nahen Wiesen gehörten. Die im Herbste durch Hochwasser überschwemmten Wiesen boten im Winter eine prächtige Eisbahn und heute erinnert sich noch ein mancher Bürger im Silberhaar, daß er in seinen jungen Jahren schöne Stunden, vielleicht die schönsten seiner Jugend, auf den Sühnelwiesen und ihrer Eisbahn verlebte. — Ein Teil der jetzigen Gasanstalt, insbesondere der Gasbehälter und die technischen Nebenanlagen, sind seit Gründung der Gesag in deren Eigentum übergegangen.
—dr—
Suchbild Nr. 80
Wo war das? Bild Nr. 80

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 17 v. 1. Mai 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 17, 1. Mai 1927, S. 5

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