Mei Muttr’sprach

Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 13, 28. März 1926, S. 5

Von Georg Langer.

Als klen’s Kind lernt en merscht’ns de Mutter ’s Reden — un for manch’r Mutter is fei a ene Plog — eh‘ se nar halb’nwag aus ihr’n Klenst’n ewos rausbrengt. Ene Freed is ab’r a — we nu ’s erschte Wört’l, wie „Mamm“ od’r „Bab’n“ od’r „Tat’r“, üb’r de klen Lipp’n kimmt. Manchmol dau’rt’s od’r a lang — un de Mutter weß net racht, was se noch agab’n soll.

Bein Hack’l Dav war’sch a esu. „Iech weß nu a net, was iech dod’rzu sog’n soll“, saht d’r zu sein’r Male. — “ ’s is e Wunn’r, daß esu lang dau’rt, wu d’r Klene doch in dan Gahr — seit’r off d’r Walt ist —, von Dir schu genug ze hör’n gekriegt hot.“

De Male menet, das müßt an d’r Zung lieg’n — od’r an Gaume. D’r Berscht’nma — dar üb’rol rimkimmt — hät’s a gesaht.

„Nu — do müss’n m’sch ab’n abwart’n — od’r müss’n mol en Dokt’r frag’n“ — saht d’r Dav. —

Dan en Tag hatt‘ de Male ne Klen a schu wied’r alles vürgemacht — se gab ne klen Arnst ne aufgewecht’n Zwieback un machet’s: „u Bab’n heeß — Bab’n — Bab’n“ — se pochet an Fanst’r un saht: „Poch, Poch, Poch“ — se ging mit’n hie zun Seeg’r, un zeiget mit’n Fing’r, wie d’r Perp’ndik’l rüb’r un nüb’r ging — Ticketak — Ticketak — machet se — un d’r Gung lachet üb’rn ganz’n Gesicht, zapplet mit de Bee, das ’n de Mutter bal net off’n Arm ‚rhalt’n kunnt‘, gab sich en Schwung, griff nach’n Perp’ndik’l — un batsch, hat’rn runn’rgeriss’n.

„Siste, das haste d’rvu“ — saht d’r Dav, „nu wiss’n m’r net emol mehr, welche Zeit’s is.“

„Horch“ — saht de Male — „d’r Tat’r zankt, — d’r Tat’r“ — zeiget se nach d’r Schust’rbud hie.

„Inu war hat dä ne Seeg’r hiegericht, Arnstl — war dä — war war’sch dä — hä“ — tat de Male ne klen Arnst krapp’ln.

Off emol huppet ’s Arnstl bal‘ wied’r von Arm un lallet:

„Tat’r — Tat’r.“— „D’r Tat’r — na, d’r Tat’r warsch net — du warscht’r — du klen’r Strick“ — lachet de Male un drücket und schmatzet ihr Arnstl far Freed.

„Tak — Tak“ — lallet’s Arnstl un drehet sich noch d’r Uhr im. — „Ah — ah“ machet d’rsch wied’r.

„Siste“, saht de Male — „iech hob’s doch glei‘ gesaht — emol muß doch warn — un wenn’s ne Seeg’r kost‘ — de Hauptsach‘, das unn’r Arnstl nu red’n ka.“

D’r Dav machet nu weit’r kee schlacht’s Gesicht — ‚r freet sich a un flicket an seine Sock’nsuhl’n weit’r. „Durch dan klen Schrack is ab’n den Zung gelamb’r wurn — iech hat doch Racht.“

*

Su v’rging nu e Gahr noch’n an’rn — un’s Arnstl lernet red’n wie geschmiert. Das Gosch’l ging ne ganz’n Tog. Sei Vater un seine Mutter mußt’n spet’r, wenn se mol wa ze red’n hatt’n was de Kin’r ndet ze hör’n brauch’n, sich’s hemlich sog’n, weil d’r Arnst alles aufschnapp’n un nachpapp’ln tat.

D’r Arnst kam nu in d’r Schul‘ un machet seine Sach schie. In d’r zweet’n Klasse war ‚r sugar d’r Erschte gewur’n. Spet’r kam ‚r off d’r Lehr‘ un seine Leit‘ hatt’n bluß Freed an ’ne. Mit enunzwanzig Gahr’n wur ‚r zun Soldat’n ausgehub’n — zu de 105er in Straßburg. ‚r schrieb von Soldat’n — was ‚r schu alles ze säh gekriegt hätt‘. ’s gäb manichmol nischt ze feix’n — od’r ’s gefühl ’ne, un wenn’s halb’nwags klappet, wollt’r sah, daß ‚r mol off Urlaub komme könnt.

„Weßte“, saht d’r Dav zu sein’r Male, „iech besuch‘ ne Arnst emol, mech’s harkomme, wu’s har will.“

„Nu“, menet seine Fraa, „un iech fahr miet; m’r hul’n e was von d’r Sparkasse, un dampf’n emol lus.“

Ihre Schwäg’rn tat se a üb’rred’n, daß so mit ihr’n Maa mitfahr’n sollt. Die hatt’n a noch nischt weit’r vu d’r Walt gesah, un an en schie’n Tag sei se ze viert lusgereest. Se hab’n Maul un Aug’n aufgesperrt — was se un’rwags alle ze sah‘ krieget’n . Nu un das Wied’rsah war grußartig. D’r Arnst hatt‘ sich schie rausgemacht — war zefried’n — un konnt’s gar net aussog’n, was ‚r alles schu gelernt hatt‘.

D’r Arnst krieget von sein Feldweb’l frei — un d’r Feldweb’l von Dav a paar Zigarr’n. Se ginge nu zusamm‘ in d’r Stadt un hab’n alles ahgesah, a de Schaufanst’r — un de Weibs’n hatt’n natürlich viel ze schwaf’ln.

„Nar dos schiene Kleed“, saht de Male.

„Nu weßte“, menet ihre Schwäg’rn — „dan Schieb’l d’rfür tät iech schu lang net aufsetz’n.“

„Nu — mahrt Eich när aus“, saht d’r Dav — „da hob’n m’r kene Pfeng d’rzu — kommt nar, m’r müss’n mach’n, daß m’r fed’r komme, sonst halt’n m’r ne ganz’n V’kehr auf.“

Un werklich — ’s stand’n fei a hauf’n Leit‘ drimrim — dan die Sprach‘ ewos Nei’s war.

An en an’rn Fanst’r war’sch wied’r esu.

„Do war’n m’r wagen un’rn Gelatsch a noch agesah“ — lachet de Male.

„Nu ab’n“, menet ihre Schwäg’rn, „suviel Leit‘ stand’n vielleicht noch gar net an Schaufanst’rn.“

Se fuhr’n nu a e Stick mit d’r Elektrisch’n. De Weibs’n setz’n sich innewendig nei — un de Manns’n blieb’n haus’n trat’n. De Male saht zu ihr’r Schwäg’rn:

„Weßte, iech hob’s fei noch net bereit, daß m’r die Rees‘ gemacht hob’n — war weß, kimmt m’r in sein Lab’n noch emol d’rzu.“

„Do haste racht“ — saht ihre Schwäg’rn.

Itze wurn se fei von en fein Haarn ageredt.

„Ach, Sie verzeihen, sind Sie nicht aus Sachsen — aus dem Erzgebirge?“ „Nu natürlich“, saht Male.

„Ach, das freut mich außerordentlich — ich bin auch Erzgebirger und habe mich nach meiner Militärzeit hierher verheiratet“ — saht dar Harr. „Sie würden mir einen großen Gefallen erweisen, wenn Sie mich als Landsleute besuchen würden. Bitte, schlagen Sie es nicht ab.“

„Nu — das gelab iech in ganz’n Lab’n net — sie woll’n e Arzgebirger sei — mit dar vürnahme Sprach — eja, war weß wu Se har sei!“ gab’n de Male z’r Antwort.

’s gab nu e Wort ’s anere, — d’r Arnst kam nu a nei in Wog’n un menet — dos bluß emol agehalt’n wir — dann hieß aussteig’n — un kam a mit dan Harrn ins Gered — weil’r bei dansalb’n Regement gedient hat. Wie se nu ausgestieg’n war’n — kame se allezamm‘ üb’ree, de Eiladung zun Besuch azenamme.

Wie se sich bei dan Landsman racht schie ausgetauscht hatt’n, stellet sich a noch raus, daß seine Fraa ene weitleift’ge V’rwandte von Dav sein’r Tante war.

Wie se nu wied’r ginge — saht de Male noch: „Wiss’n Se — mir hätt’n uns in ganz’n Lab’n net getroff’n — od’r vielmehr kennegelarnt, wenn m’r net arzgeberg’sch geredt hätt’n — esu — wie m’rsch gelernt kriegt hob’n“

D’r Arnst mußt nu wied’r naus in d’r Kaser’n, un seine Leit‘ sei mit’n V’rwandt’n a bald wied’r ehem gefahr’n.

(Schluß folgt.)